Jungs auf party kennenlernen

Bis zwölf Uhr zählte ich, dass mindestens dreißig Menschen die Wohnung gegenüber betreten haben mussten, es konnten auch fünfzig sein. "Lass mich mal machen", erklärte sie, dann zu mir: "Hey, du. " Ich erklärte, dass ich ein vierzigjähriger Familienvater sei, der schon genug gefeiert habe und jetzt unbedingt, und zwar noch heute Nacht, schlafen müsse. "Och, das ist aber schade." Dann: "Wir sind ganz still, okay? Es gibt kaum eine gewöhnlichere und kaum eine dämlichere Rolle als die des Nachbarn, der sich über Ruhestörung seines Nachbarn beschwert.

Zuletzt war Musik ins Treppenhaus gedrungen, Lachen, das Klirren von Bierflaschen. Bei mir lag der Fall ein wenig anders: Natürlich litt ich unter dem Krach der Jungs.

Wer waren die Menschen, die da jedes Wochenende in unser Haus kamen, und wie viel Alkohol konnte ein 19-Jähriger an einem Freitagabend eigentlich vertragen?

Wenn sie nicht betrunken waren, was tagsüber nicht vorkam, hatten sie ausgesprochen gute Umgangsformen.

Und während die anderen Nachbarn längst mit Hausverwaltung und Polizei gegen die Junge-Männer-WG vorgingen (die nette Nachbarin im ersten Stock, die zur Weihnachtszeit Tannenzweige ins Treppenhaus legte, drehte fast durch), spielten sich bei uns die immer gleichen Rituale aus Beschwerden, Entschuldigungen und höflichem Grüßen im Treppenhaus ab. Es war dann im Dezember, in dem ich beschloss, einen ungewöhnlichen Schritt zu gehen und die Jungs kennenzulernen.

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